Jugend & Coming-out


Bin ich schwul/ lesbisch? Bin ich bi? Wem sag ich es? Wie reagieren meine Freunde? Muss ich das überhaupt jemandem sagen? Das Coming-out ist für Jungs und Männer und Mädchen und Frauen nicht unbedingt die einfachste Zeit im Leben, aber auf jeden Fall eine der wichtigsten. Manche erleben nach ihrem Coming-out Ablehnung oder Diskriminierung. Andere berichten, dass sie sich danach unheimlich frei gefühlt haben, und ihre Beziehungen zu Freunden und Familie stärker geworden sind.

Wenn du selber noch vor oder mitten in deinem Coming-out stehst, dann helfen dir die nachfolgenden Fragen und Antworten, rund ums Thema Coming-out, vielleicht dabei, eine Entscheidung zu treffen...

Coming-out?

Coming-out heißt, dass ich mir selber darüber klar werde, dass ich schwul oder bi bin und im nächsten Schritt auch gegenüber meinen Freunden, meiner Familie, meinen Kollegen, also meiner ganzen Umwelt, dazu stehe. Ob und wann du dies tun willst, liegt ganz allein in deiner Hand.

Warum soll ich mich outen?

Eine Million Gründe sprechen für dein Coming-out, aber leider manchmal auch einige schwerwiegende Gründe dagegen. Nur du ganz alleine kannst herausfinden, ob und wann du dich outen willst.

Also erst mal die positive Seiten:

Neben der schlichten Erleichterung, es endlich jemandem gesagt zu haben, gibt es eine ganze Reihe anderer Gründe, die dafür sprechen: du kannst damit aufhören, ein großes Geheimnis zu haben, du kannst dein GANZES Leben mit den Menschen teilen, die dir wichtig sind, du brauchst keine Angst mehr zu haben, dass es jemand herausfindet, du hast nicht mehr den Druck, unbedingt ein Mädchen vorzeigen zu müssen oder eines zu erfinden UND du kannst endlich den Schnuckel anflirten, den du schon immer toll fandest ;-).

Darüber hinaus kann dir dein Coming-out auch ein ganz besonderes Selbstbewusstsein geben, schließlich bist du mit einer schwierigen Situation im Leben zu Recht gekommen und hast damit, oft noch sehr jung, unheimlich an Erfahrung dazu gewonnen. Diese Erfahrung kann dir helfen, im weiteren Leben mit anderen schwierigen Situationen besser klar zu kommen. Es gibt natürlich auch noch einen anderen Aspekt, der dir am Anfang vielleicht eher unwichtig erscheint: je mehr Menschen offen dazu stehen, dass sie schwul oder bi sind, desto mehr verbessert sich die Lebenssituation von uns allen. Nur so machen wir deutlich, wie viele wir wirklich sind und dass unsere Liebe und unsere Sexualität den gleichen Wert hat, wie der von Heteros.

Viele Jungs und Männer die ungeoutet sind, tun dies aus besonderen Situationen heraus. Vielleicht weil die Gefahr besteht, zu Hause rausgeworfen zu werden, in der Schule dafür verprügelt oder gedissed zu werden, den Arbeitsplatz zu verlieren, oder weil sie Angst haben, die Liebe und den Respekt ihrer Familie und Freunde zu verlieren. Vielleicht kommt erschwerend hinzu, dass sie finanziell oder anderweitig von ihren Eltern abhängig sind. Viele outen sich auch nicht, weil sie einfach noch nicht dafür bereit sind. Wenn du dich nicht outen willst, oder kannst, ist das völlig in Ordnung. Lass dich nicht unter Druck setzen. Manche Dinge brauchen halt ihre Zeit.

Es hilft, wenn du mit jemandem reden kannst, der sein Coming-out hinter sich hat, oder mit jemandem, der im Coming-out-Bereich arbeitet und dir somit professionell helfen kann. Ihr Rat und ihre Erfahrung helfen dir, dein Coming-out leichter zu erleben und vor allem wirst du dich weniger alleine fühlen. Zumindest wird es aber eine Erleichterung für dich sein, dass du etwas so geheimes und wichtiges teilen konntest. Ruf ein Beratungstelefon für Schwule an oder geh in eine schwule Jugendgruppe oder Jugendzentrum. Geh in die Bücherei oder besuche entsprechende Webseiten. Ganz unten findest du ein paar Kontaktstellen. Natürlich kannst du auch hier bei GayRomeo User ansprechen. Wenn du bei den Clubs unter der Rubrik „Jugend“ suchst, findest du auch welche zum Thema Coming-out. Behalte dabei aber immer im Hinterkopf, dass das Internet nicht unbedingt so ist wie das reale Leben.

Wem soll ich's erzählen?

In den meisten Fällen werden die Beziehungen zu den Freunden, denen du vertraust und erzählst, dass du schwul oder bi bist, enger. Schließlich sind Freundschaften auf gegenseitigem Vertrauen aufgebaut und sich einem Freund anzuvertrauen, macht diese Bindung stärker. Sollte sich jemand von dir abwenden, bloß weil du erzählst, dass du auf Jungs stehst, waren er oder sie sowieso nie dein Freund. Viele erzählen nach ihrem Coming-out, dass sie sich erst spät geoutet haben, weil sie Angst davor hatten, dass sich Freunde von ihnen distanzieren, und, dass diese Angst im Nachhinein unbegründet war. Letztlich ist es unmöglich vorher zu sagen, wie deine Umgebung reagieren wird. Aber oft ist die Angst die aus der Unsicherheit resultiert wesentlich größer als was in der Realität geschieht.

Was erwartet mich?

Keine Coming-out Erfahrung ist die gleiche. Einige Leute werden versuchen dir alle Möglichen Dinge aufzuzählen, warum du gar nicht schwul sein kannst, andere werden nach einer „logischen“ Erklärung suchen. Einige werden wütend sein, traurig, durcheinander, ungläubig oder verletzt. Einige wird es gar nicht kümmern, andere mögen sich für dich freuen oder stolz, dass du so offen zu ihnen bist. Manche werden sagen,

dass sie es schon „immer“ gewusst haben ;-).

Damit du die Reaktionen deiner Umwelt besser einschätzen kannst, möchtest du dich vielleicht mit ihren Meinungen über das Schwul-/Bi-sein vertraut machen. Das kannst du z.B. in dem du ihre Reaktionen beobachtest, wenn das Gesprächsthema darauf fällt, etwa, weil gerade etwas dazu im Fernsehen läuft. du kannst das Thema auch selber indirekt aufgreifen oder andere darüber sprechen lassen. Wenn du dies machst, sei dir jedoch darüber bewusst, dass Menschen anders reagieren, wenn das Thema „schwul/bi“ abstrakt ist. Sie werden womöglich anders reagieren, wenn es plötzlich um „ihren Sohn“ oder um „ihren besten Freund“ geht.

Eines ist sicher:

Das Coming-out hört eigentlich nie wirklich auf. Du wirst immer wieder auf neue Menschen treffen die dich noch nicht kennen, und vielleicht merken, dass oft schon im Small-Talk das Thema deiner sexuellen Identität indirekt angesprochen wird. Statt einfach platt zu sagen: „Ich bin schwul“ oder „Ich bin bi“, findest du vielleicht Spaß daran, das Thema indirekt anzusprechen. Du kannst deinen Freund erwähnen oder das ja bald wieder CSD ist oder das du ganz gerne auf diese oder jene (Szene-) Party gehst. Während solche Hinweise zwar nur nebenbei fallen gelassen werden, sind sie in der Tat aber sehr wichtig, denn du verhinderst damit, dass andere Leute falsche Annahmen über dich anstellen und es von Treffen zu Treffen schwieriger für dich wird, dich (platt) zu outen.

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SEX - Was mache ich, wenn es "ernst" wird?

Jetzt wird es spannend, es geht um Sex! Solltest du deinen "Schatz" gefunden haben und du und er haben Lust auf Sex dann ist es wichtig einige Regeln zu beachten. Betreibe nur Safer Sex! Beim Analverkehr viel Gleitcreme benutzen und NIE ohne Gummi. Beim Oralverkehr kein Sperma in den Mund nehmen oder schlucken! Lass dich zu nichts überreden, denn Jugend schützt nicht vor AIDS! Dein Partner muss nicht mal selber wissen, dass er positiv ist oder die Wahrheit sagen. Lass dich nicht überreden, irgendwelche Sex-Praktiken zu machen. Mache nur die Dinge, die du wirklich willst! Natürlich kannst du auch auf die Wünsche deines Sexualpartners eingehen, aber eben nur soweit wie du Lust hast.

Tipp zum Schluss

Führe irgendeine Form von Tagebuch in deiner Coming-out-Zeit. Viele halten ihre Gefühle, Erlebnisse und Gedanken in dieser Zeit fest. Vielleicht passt zur dir auch besser irgendetwas Künstlerisches wie z. B. Gedichte, Malen oder Musik. Was dir halt am meisten liegt. Selbst wenn es für immer nur für dich selbst ist, wird dir diese Möglichkeit helfen, deine Gefühle besser einzuordnen und dich mehr kennen zu lernen. Außerdem ist es eine tolle Möglichkeit, selbst deinen eigenen Fortschritt zu beobachten.
Stell' aber auf jeden Fall sicher, dass dein Tagebuch an einem

privaten Ort versteckt liegt, denn dein Coming-out soll es

dir ja nicht ungewollt abnehmen ;-).

Erstellt in Zusammenarbeit mit dem Jugendzentrum anyway, Köln.