Hepatitis-ABC: Risiken und was Mann tun kann


Für Männer mit wechselnden Sexualpartnern ist das Risiko relativ hoch, sich mit Hepatitis-Viren zu infizieren, die je nach Virustyp zu ernsten körperlichen Schäden führen können. Welche Risikosituationen es gibt und wie man sich dabei schützen kann, ist hier kurz zusammengefasst.

Was ist eigentlich „Hepatitis“?

Eine Hepatitis ist eine Entzündung der Leber (griechisch „hepar“), die für den Austausch und die Umwandlung von Stoffen im Körper zuständig ist. Einige Arten der Leberentzündung werden durch Viren ausgelöst, die gezielt die Leber befallen. Von diesen Viren gibt es verschiedene Typen: Hepatitis-A-Virus (HAV), Hepatitis-B-Virus (HBV), Hepatitis-C-Virus (HCV) und so weiter … Wir gehen hier auf Hepatitis A, B und C ein, weil sie bei uns am häufigsten sind und man sich beim Sex mit ihnen anstecken kann.

Hepatitis A

Übertragung: Vor allem fäkal-oral, z. B. Aufnahme von Hepatitis-A-Viren durch verschmutztes Wasser auf Reisen und durch oral-anale Sexualkontakte (Rimming/Arschlecken).

Symptome: Häufig ohne oder mit nur geringen, grippeähnlichen Beschwerden (Fieber, Abgeschlagenheit, Übelkeit, Appetitlosigkeit), selten Gelbsucht mit gelblicher Verfärbung von Haut und Schleimhäuten, dunklem Urin und Hellfärbung des Stuhls; Ausheilung nach 4 Wochen

Behandlung: Keine spezifische Therapie möglich; Weglassen von Alkohol, lebergängigen Medikamenten und Drogen

Schutz: Sehr guter Schutz durch Hepatitis-A-Schutzimpfung (auch in Kombination mit Hepatitis-B-Schutzimpfung).

Hepatitis B

Übertragung: Vor allem bei Sexualkontakten und durch Blut

Symptome: In der akuten Phase häufig ohne oder mit nur geringen, oft grippeähnlichen Beschwerden (Fieber, Abgeschlagenheit, Übelkeit, Appetitlosigkeit), aber auch Druckschmerz im Oberbauch. Nur in 1/3 der Fälle Gelbsucht mit gelblicher Verfärbung von Haut und Schleimhäuten, dunklem Urin und Hellfärbung des Stuhls. Zu einem chronischen Verlauf kommt es in ca. fünf Prozent aller Fälle (bei HIV-Infektion aber in etwa 25 % der Fälle), ansonsten Ausheilung nach 4–6 Wochen.

Behandlung: In der akuten Phase keine spezifische Therapie; Weglassen von Alkohol, lebergängigen Medikamenten und Drogen. Bei chronischer Hepatitis je nach Ausprägung eventuell medikamentöse Therapie.

Schutz: Sehr guter Schutz durch Hepatitis-B-Schutzimpfung (auch in Kombination mit Hepatitis-A-Schutzimpfung). Kondome verringern das Übertragungsrisiko.

Hepatitis C

Übertragung: Durch Blut und Blutkontakte (auch bei injizierendem Drogengebrauch); eine Übertragung durch Sexualkontakte ist möglich. Immunschwäche (z.B. bei HIV-Infektion) scheint eine Infektion zu begünstigen.

Symptome: Die akute Hepatitis C verläuft in 50–80 % der Fälle ohne Beschwerden, in 10–20 % mit grippeähnlichen Symptomen und nur in 10 % mit einer Gelbsucht (gelbliche Verfärbung von Haut und Schleimhäuten, dunkler Urin und Hellfärbung des Stuhls). In 50–80 Prozent der Fälle kommt es zu einem chronischen Verlauf, möglicherweise mit schweren Leberschädigungen nach mehreren Jahren; ansonsten Ausheilung innerhalb von 6 Monaten. Bei HIV-Infektion kann eine chronische Hepatitis C rascher zu Leberschädigungen und Komplikationen führen.

Behandlung: Medikamentös

Schutz: Kondome verringern das Risiko bei Sexualkontakten, Blutkontakte sollten vermieden werden (ggf. Handschuhe besonders beim Faustfick); bei injizierendem Drogengebrauch keine gemeinsame Benutzung von Spritzen und Nadeln. Eine Schutzimpfung gibt es nicht.

 

Aktueller Hinweis: In der letzten Zeit breiten sich unter schwulen Männern, vor allem in den Schwulenmetropolen, Syphilis und Hepatitis C aus. Eine Hepatitis C ist eine schwerwiegende Krankheit, die häufig chronisch wird. Die nebenwirkungsreiche Behandlung dauert je nach Virustyp sechs bis zwölf Monate; die Erfolgsquote liegt zwischen 40 und 80 %. Nach Ausheilung oder erfolgreicher Behandlung kann man sich erneut anstecken. Eine Impfung gibt es nicht. Für Positive stellt Hepatitis C eine zusätzliche Belastung für das Immunsystem dar; sie verläuft schwerer, und die Behandlung kann erschwert oder sogar unmöglich sein.

Impfung gegen Hep A und B

Gegen Hepatitis A und B kann man sich impfen lassen (einzeln oder auch kombiniert), gegen Hepatitis C leider nicht.

Die Deutsche AIDS-Hilfe e.V. empfiehlt, sich gegen Hep A und B impfen zu lassen. Hat man allerdings schon eine Hepatitis A oder B hinter sich (vielleicht sogar unbemerkt), ist man gegen eine erneute Ansteckung immun. Vor der Impfung sollte deswegen vom Arzt oder der Ärztin untersucht werden, ob das Immunsystem schon Antikörper gegen Hepatitis A/B gebildet hat (oder ob gegebenenfalls der Schutz durch eine frühere Impfung noch ausreicht). Schließlich muss das Immunsystem nicht unnötig belastet werden, erst recht nicht, wenn man HIV-positiv ist. Außerdem müssen die Krankenkassen bei der Hepatitis A die Kosten nicht übernehmen.

Man unterscheidet die „aktive“ und die „passive“ Immunisierung: Bei der aktiven Impfung wird der Körper mit ungefährlichen Virusbruchstücken („Tot-Impfstoff“) dazu angeregt, selbst Antikörper zu bilden. Das dauert etwa einen Monat, der Schutz besteht in der Regel 10 Jahre. Bei der passiven Immunisierung werden Antikörper gespritzt. Der Impfschutz wird sofort aufgebaut, hält dafür aber nur bis zu drei Monate an.

Impfung und HIV

Auch wenn man HIV-positiv ist, kann man sich impfen lassen. Der Impferfolg ist jedoch abhängig vom Zustand des Immunsystems. So zeigen z.B. etwa 30 % der HIV-Positiven keine ausreichende Reaktion auf eine Hep-B-Impfung. Schlägt eine Impfung nicht an, wird eine Wiederholung mit höherer Dosis in mehreren Schritten empfohlen. Es ist daher notwendig, nach einer Impfung den Impferfolg auf jeden Fall zu kontrollieren! Die Impfung sollte von einem erfahrenem Arzt/einer erfahrenen Ärztin vorgenommen werden.

Impfung und die Kosten

Die Ständige Impfkommission des Robert Koch-Instituts und auch die Weltgesundheitsorganisation empfehlen eine Hepatitis B-Impfung für Menschen, die besonders gefährdet sind. Dazu gehören z. B. Leute, die Drogen spritzen, Menschen mit häufig wechselnden Sexpartnern oder Dialysepatient(inn)en. Man braucht aber seinem Arzt oder seiner Ärztin nichts vom Schwulsein erzählen, sondern kann auch einfach sagen, dass man eine „Kontaktperson“ ist. Die Krankenkasse übernimmt dann die Kosten. Bei einem berufsbedingten Infektionsrisiko (z.B. bei Pflegepersonal) muss der Arbeitgeber die Kosten einer Hepatitis-B-Impfung übernehmen.

Mittlerweile gibt es Hinweise darauf, dass Krankenkassen bzw. Arbeitgeber bei der Hepatitis A oft ähnlich verfahren; ein Anspruch besteht aber nicht. Auch die Mehrkosten für eine Kombinationsimpfung werden häufig von den Kassen übernommen.

Selbst wenn die Kosten für die Hep-A-Impfung von der Krankenkasse nicht übernommen werden sollten, lohnt sich diese Investition für die eigene Gesundheit in jedem Fall!

FAZIT

Der beste Schutz vor Hepatitis A und B ist die Schutzimpfung. Vor Hepatitis C schützen im Moment am besten Safer Sex und Safer Use
• Ficken mit Kondom
• Kein Sperma in den Mund
• Beim Faustfick Latexhandschuhe benutzen.
• Beim Drogengebrauch (nicht nur beim Spritzen, sondern z. B. auch beim Sniefen) nur das eigene, sterile Zubehör (Spritze, Nadel, sauberes Papierröllchen, Röhrchen usw.) verwenden.

Text: Deutsche AIDS-Hilfe e.V., September 2003